Investor schickt Brandbrief an Aufsichtsrat der NCL-Holding
Der aktivistische Investor Elliott übt Druck auf Vorstand und Management von Norwegian Cruise Line Holdings aus. In einem Brief an den Aufsichtsrat wirft Elliott dem Konzern strategische Fehlentscheidungen und eine schwache Performance trotz hoher Nachfrage vor. Gefordert werden neue, unabhängige Direktoren, ein Führungscheck und ein neuer Geschäftsplan.
Norwegian Cruise Line Holdings
Bei Norwegian Cruise Line Holdings, hier die Zentrale in Miami, dürfte derzeit eine gewisse Anspannung herrschen
Elliott Investment Management hat dem Board von Norwegian Cruise Line Holdings eine Präsentation und einen Brief geschickt und darin "große Veränderungen" verlangt. Die Fonds des Investors halten nach eigenen Angaben eine Beteiligung von mehr als zehn Prozent. In den Unterlagen spricht Elliott von "strategischen und operativen Fehlgriffen" in einer Phase starker Kreuzfahrtnachfrage – mit der Folge einer deutlichen Unterbewertung und ungenutztem Potenzial.
Der Investor schreibt von einer "Dekade von Fehlurteilen", schlechter Umsetzung sowie finanzieller und aktienkursbezogener Unterperformance. Das habe das Vertrauen der Anleger langfristig beschädigt.
Kritik am Board und der CEO-Auswahl
Elliott greift vor allem die Rolle des Boards, also den Aufsichtsrat, an. Er habe seine Kernaufgaben verfehlt – "einschließlich der wichtigsten Verpflichtung, die richtige Führung auszuwählen". Besonders scharf fällt die Kritik an der Besetzung der Vorstandsspitze aus: Das Gremium habe nacheinander CEOs berufen, die "erheblichen Aktionärswert zerstört" hätten.
Auch die jüngste Personalentscheidung wird als Fortsetzung eines schlechten Musters dargestellt. Elliott kritisiert die "abrupte" Ernennung eines langjährigen Board-Mitglieds zum CEO, das keine Executive-Erfahrung in der Kreuzfahrtindustrie habe. John Chidsey war bis Ende 2024 CEO der Fastfood-Kette Subway. Seine Berufung zeuge von "schlechtem Urteilsvermögen" und einem unzureichenden Prozess, heißt es.
Forderung nach Neuausrichtung und unabhängigen Direktoren
Elliott skizziert einen Weg, wie Norwegian finanzielle Leistung und Glaubwürdigkeit bei Investoren zurückgewinnen könne. Zentral ist der Ruf nach einem umfassenden Umbau des Boards. Gefordert werden zusätzliche, "wirklich unabhängige" Direktoren mit Branchen- und operativer Expertise.
Ein neues Board solle zudem sicherstellen, dass die richtige Führung antrete, um einen ambitionierten Turnaround umzusetzen. Darüber hinaus verlangt Elliott einen neuen Geschäftsplan, der eine bessere Leistung ermöglichen soll.
Zielmarke 56 Dollar und Druck zur Hauptversammlung
Elliott sieht in den geforderten Schritten einen Pfad, der den Aktienkurs auf 56 US-Dollar führen könne – 159 Prozent über dem damaligen Niveau. NCLH profitiere von "säkulären Rückenwinden", hochwertigen Assets und ungenutzten Chancen, heißt es im Brief. Um das Potenzial zu heben, brauche es jedoch "bedeutenden Wandel".
Der Investor signalisiert Gesprächsbereitschaft, stellt aber zugleich eine Eskalation in Aussicht: Kommt keine "konstruktive" Lösung zustande, will Elliott die Argumente bei der kommenden Hauptversammlung direkt an die Aktionäre tragen.
Christian Schmicke
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